Wörterbuch

Hier finden Sie Schlüsselwörter, die aktuelle Entwicklungen und Ereignisse aufgreifen. Sie ergänzen die "Landeskunde Deutschland 2018", die dadurch immer auf dem letzten Stand bleibt (mit Seitenverweis). Die Wörter betreffen Kultur, Politik und Wirtschaft und sind mit der Zeit zu einem kleinen Wörterbuch geworden. Sie erfassen auch neuere Entwicklungen des Sprachgebrauchs, u.a. Modewörter und Wendungen.

A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z
  • Abschiebung
  • Zu Seite 19: Deutsche und Ausländer

    die Abschiebung; abschieben, schob ab, hat abgeschoben: "abschieben" bedeutet "unter Zwang ins Herkunftsland zurückschicken". Für eine freiwillige Ausreise wird eine Frist gesetzt. Bei Widerstand unterstützt die Bundespolizei die zuständige Ausländerbehörde. Abschiebungen werden meist per Flugzeug durchgefährt.

  • Alexander-von-Humboldt-Stiftung
  • Zu Seite 151: Neue Technologien

    Die nach dem Naturforscher Alexander von Humboldt benannte Stiftung hat eine lange Vorgeschichte: Bereits kurz nach dem Tod des Naturforschers wurde sie 1860 in Berlin zur Unterstützung von Forschungsreisen deutscher Wissenschaftler gegründet. 1925 musste sie vom Auswärtigen Amt neu gegründet werden und hatte bis 1945 Bestand. 1953 wurde die Stiftung von der Bundesrepublik Deutschland (Auswärtiges Amt) wieder ins Leben gerufen mit Sitz in Bonn-Bad Godesberg. Sie unterstützt erfolgreich meist junge Wissenschaftler aller Fachrichtungen bei ihrer Forschungstätigkeit in Deutschland und vergibt Forschungsstipendien und Forschungspreise.

    Dadurch ist ein weltweites wissenschaftliches Netzwerk von über 26.000 Humboldtianern aus mehr als 140 Ländern entstanden. 1913 waren die zehn häufigsten Herkunftsländer USA, China, Großbritannien, Spanien, Frankreich, Brasilien, Kanada, Indien, Italien und Japan. Die zehn häufigsten Fachgebiete waren Chemie/Pharmazie, Biowissenschaften, Physik, Geowissenschaften, Mathematik, Philosophie, Geschichtswissenschaft, Rechtswissenschaft, Allgemeine Sprach- und Literaturwissenschaft, fremde Sprachen und Kulturen und Medizin.

  • Allgemeines Gleich:behandlungsgesetz
  • Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) - auch Antidiskriminierungsgesetz genannt - ist im August 2006 in Kraft getreten. Es setzt vier EU-Richtlinien um und soll die Menschen vor Diskriminierung aus Gründen der "Rasse ", der ethnischen Herkunft, des Geschlechts, der Religion, der Weltanschauung, einer Behinderung oder der sexuellen Identität schützen. Wer ungerechtfertigt benachteiligt wird, hat ein Beschwerderecht und Anspruch auf Schadenersatz.
    Während der Schutz des Grundgesetzes staatliches Handeln betrifft, geht es im Gleichbehandlungsgesetz um den Schutz für das Verhalten der Bürger untereinander. Das Gesetz bezieht sich auf den Beruf, die Beschäftigungs- und Arbeitsbedingungen, den Sozialschutz, die Bildung, den Zugang zu und die Versorgung mit Gütern und Dienstleistungen und die sexuelle Orientierung.

    Heftige Kritik löste das Gesetz bei seinem Entstehen bei Wirtschaftsverbänden und in der Koalition aus. Die befürchtete Mehrbelastung der Justiz durch eine Vielzahl von Prozessen ist aber nicht eingetreten. Kritik kommt nun aber von Seiten der Europäischen Kommission. Sie bemängelt, dass die Gleichstellung von Verheirateten und in einer Lebenspartnerschaft zusammenlebenden Paaren nicht angemessen umgesetzt wurde. In solchem Fall droht ein Vertragsverletzungsverfahren.

    Bei den EU-Richtlinien handelt es sich um die sogenannte Antirassismus-Richtlinie, die sogenannte Rahmenrichtlinie Beschäftigung, die sogenannte Gender-Richtlinie und die Richtlinie zur Verwirklichung des Grundsatzes der Gleichbehandlung von Männern und Frauen beim Zugang zu und bei der Versorgung mit Gütern und Dienstleistungen.

  • Allianz-Arena
  • Die Allianz-Arena ist ein Fußballstadion im Norden Münchens, fertiggestellt 2005 für die Fußball-WM 2006. Arena ist eine neue Bezeichnung für ein Fußball-Stadion. Äußeres Merkmal der Arena in München ist die Hülle, die je nach Spiel und Anlass in Bayern-Rot, 1860-Blau oder auch neutral weiß leuchtet. Die Arena hat drei Ränge; die steilen Tribünen erlauben eine optimale Nähe zum Spielfeld. Kapazität: 66.000 Plätze insgesamt, Verhältnis Sitzplätze / Stehplätze 1 : 1; 104 Logen mit 1.400 Plätzen.

  • alternativlos
  • Zu Seite 143: Die EU und Europas Krisen

    „alternativlos“ ist ein politisches Schlagwort, d.h. Es gibt keine Alternative, keine andere Möglichkeit. Das Wort wird in der Politik häufig benutzt. Beispiel: Der Ausbau des Frankfurter Flughafens“ ist alternativlos.

    2010 wurde „alternativlos“ zum Unwort des Jahres gewählt. Begründung: „Das Wort suggeriert sachlich unangemessen, dass es bei einem Entscheidungsprozess von vornherein keine Alternativen und damit auch keine Notwendigkeit der Diskussion und Argumentation gebe.“

  • an kurbeln
  • kurbelt an, kurbelte an, hat angekurbelt = in Gang bringen. Beispiele: die Wirtschaft / den Konsum / den Binnenmarkt ankurbeln

  • angesagt sein
  • umgangssprachliche Wendung in der Bedeutung: "in " / modern / zeitgemäß sein. Beispiel: Der Trend in diesem Sommer sind helle Farben. Besonders Weiß ist angesagt.

  • Arm und Reich
  • Zu Seite 137: Was tun Staat und Wirtschaft?

    Es gibt verschiedene Studien zu Armut und Reichtum in Deutschland. Die Studie des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes konzentriert sich besonders auf die einzelnen Bundesländer. In seinem letzten Armutsbericht stellt der Verband fest, dass 2013 die Kluft zwischen armen und reichen Regionen und Bevölkerungsgruppen tiefer geworden ist. Insgesamt gelten 12,5 Millionen Menschen in Deutschland als arm. Also 15,5 Prozent (15,1Prozent im Jahr 2011).

    Es gibt ein Nord-Süd-Gefälle: Am stärksten von Armut betroffen sind im Norden die Bundesländer Bremen, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern mit über 20%. Leicht zurückgegangen, aber dennoch auf hohen Niveau sind die Zahlen für Sachsen-Anhalt mit 20,9% und Brandenburg mit 17,7%. Insgesamt sind die Zahlen in den neuen Bundesländern nach wie vor schlechter als in den alten. Am besten steht der Süden da: Bayern und Baden-Württemberg haben Quoten von gut 11%.

    Als arm gilt, wer weniger als 60% des mittleren Einkommens der gesamten Bevölkerung verdient. Hinzu gekommen ist bei der Bewertung eine soziale Komponente. Wer arm ist, ist meist auch sozial ausgegrenzt und kann sich Teilhabe am sozialen Leben nicht leisten.

    Konkret bedeutet das in Zahlen: Die Schwelle für einen Singlehaushalt liegt bei Euro 892, für eine Familie mit zwei Kindern bei Euro 1873. Diese Beträge können unterschiedlich viel bedeuten, je nachdem ob die Menschen in einer teuren und billigen Gegend wohnen.

    Besonders armutsgefährdet sind Arbeitslose, Alleinerziehende und Rentner. Bedroht sind besonders Niedriglohnjobber, die nicht fürs Alter vorsorgen können.

  • Asylbewerber
  • Zu Seite 19: Deutsche und Ausländer

    der Asylbewerber, die Asylbewerber: Asylbewerber sind Personen, die einen Antrag auf Anerkennung als aus politischen, religiösen oder sonstigen Gründen Verfolgte gestellt haben. Über den Antrag entscheidet das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge. Alternativ auch: der Asylsuchende, die Asylsuchenden. Im Asylverfahren wird geprüft, ob ein Anspruch auf Asyl besteht und ob Abschiebungsverbote vorliegen, z.B. Gefahren für Leib und Leben, Gefahr der Folter, drohende Todesstrafe oder Ähnliches. Anerkannte Asylbewerber heißen "Asylberechtigte" oder "anerkannte Flüchtlinge". Die Bezeichnung "der Asylant, die Asylanten" ist negativ besetzt und wird von Behörden nicht verwendet. Er wird benutzt, wenn Schutzsuchende als Bedrohung empfunden werden.

  • Atomausstieg
  • Zu Seite 148: Alternative Energien und Klimaschutz

    Der Begriff „Atomausstieg“ entstand als politisches Schlagwort in der Anti-Atom-Bewegung in den 70er- und 80er-Jahren (Katastrophe von Tschernobyl 1986).
    Im Juni 2011 beschloss der Bundestag mit großer Mehrheit die Änderung des Atomgesetzes: die ältesten 8 Kernkraftwerke wurden sofort abgeschaltet, die weiteren 9 gehen stufenweise bis zum Jahr 2022 vom Netz. Das Gesetz trat im August 2011 in Kraft.
    Auch andere Länder überprüfen nach der Nuklearkatastrophe von Fukushima ihre Atom- und Energiepolitik

  • Auffanggesellschaft
  • die Auffanggesellschaft, die Auffanggesellschaften: Wenn ein Großunternehmen in Konkurs gerät, können die Mitarbeiter entweder ausscheiden (mit Abfindung) oder in eine Auffanggesellschaft oder Beschäftigungsgesellschaft eintreten. Diese Gesellschaft hat die Aufgabe, die Mitarbeiter durch Qualifizierung und Beratung für den ersten Arbeitsmarkt vorzubereiten.
    Mit dem Übertritt können Einschnitte in Löhne und Gehälter verbunden sein. Oft führt der Weg in die Arbeitslosigkeit.

  • aufgestellt
  • Partizip II von "aufstellen" = einen umgefallenen Gegenstand wieder a., eine Armee a. Verwendung mit "sein": In Politik, Wirtschaft und Sport in letzter Zeit häufig verwendeter Begriff, meist im positiven Sinne: Unsere Firma ist international gut aufgestellt. - Mit dieser verjüngten Mannschaft ist der Verein gut aufgestellt. Verwendung mit "haben": Im Bairischen hat das Wort eine weitere Bedeutung. Wenn jemand z.B. mit dem Fahrrad "einen Sturz baut", kann er sagen: Do hoat’s mi sauba aufg’stellt (= Da hat es mich ordentlich aufgestellt.)

  • aufschlagen
  • Eine neue Bedeutung ist in Umlauf, die nichts mehr zu tun mit "ein Zelt aufschlagen " oder "ein Buch aufschlagen ". Der Interessent ist aufgeschlagen heißt es zum Beispiel aus dem Mund eines Händlers, was zuerst etwas makaber klingt, aber durchaus positiv gemeint ist. Es bedeutet: Der Händler hat einen Kunden an der Angel, der "angebissen " hat und kauft.
    Auch eine Nachricht, meist eine schlechte, kann "aufschlagen ": Die Beschwerde schlug gestern bei der Verwaltung auf.

  • Aufstocker
  • der Aufstocker, die Aufstocker: neue Wortprägung. Bezeichnet Erwerbstätige - geringfügig Beschäftigte und Vollzeitbeschäftigte -, deren Einkommen unter der garantierten Grundsicherung liegen. Sie gelten als hilfsbedürftig, bedürftig trotz Arbeit, und bekommen vom Staat eine finanzielle Aufstockung. Außerdem haben sie Anspruch auf Arbeitsförderung.

  • Aufstockung, auf:stocken
  • Mit Hartz IV wurden Sozialhilfe und Arbeitslosenhilfe zusammengelegt und das neue Arbeitslosengeld II (= ALG II) geschaffen, das eine Grundsicherung für Arbeitssuchende darstellt. Geringverdiener können zur Aufstockung ALG II beziehen, wenn ihr Lohn nicht für den Lebensunterhalt ausreicht. Die Zahl derer ist besorgniserregend gestiegen.

  • ausgrenzen
  • Zu Seite 62: Von Armut bedroht

    er/sie grenzt aus, grenzte aus, hat ausgegrenzt. Das schwache trennbare Verb wird häufig im Passiv verwendet: ausgegrenzt werden. Nomen: die Ausgrenzung.

    Beispiele: Es besteht die Gefahr, dass Minderheiten ausgegrenzt werden, d.h.: von der Gemeinschaft ausgeschlossen werden. Die Ausgrenzung von Minderheiten ist eine Gefahr. – sich ausgegrenzt fühlen: Ich fühle mich ausgegrenzt, d.h.: Ich habe das Gefühl, dass ich nicht dazugehöre.

  • Ausländerbeirat (oder: Ausländerrat)
  • Zu Seite 21: Zuwanderung in der Zukunft

    Wahlberechtigt sind volljährige Ausländer, die seit mindestens drei Monaten in der entsprechenden Gemeinde wohnen.

    Ausländerbeiräte gibt es vor allem in den Kommunen. Sie haben die Aufgabe, in den Gemeinden die Interessen der ausländischen Einwohner zu vertreten und die Gemeinde in allen Fragen, die Ausländer betreffen, zu beraten.

  • Autoverkehr
  • Zu Seite 149: Verkehrswege

    Das Auto ist nach wie vor das beliebteste Verkehrsmittel, obwohl die Klimabilanz alles andere als gut ist. Nach dem Wohnen ist der Verkehr für die meisten schädlichen CO2-Emissionen verantwortlich. Hybrid- und Elektroantriebe haben daran bisher wenig geändert, weil ihr Anteil noch zu gering ist. Nur knapp ein halbes Prozent der Autos verfügt über einen alternativen Antrieb. Die Preise sind zu hoch und das Versorgungsnetz noch nicht überzeugend.

    Aber das Mobilitätsverhalten ist in Bewegung: Man geht zu Kombi-Modellen über und wechselt zwischen Auto, öffentlichen Verkehrsmitteln und Fahrrad. Besonders in Städten und Ballungsgebieten kombiniert der Verkehrsteilnehmer S- und U-Bahn mit Fahrrad, Leihrad und Carsharing.

  • Azubi
  • Zu Seite 104: Berufliche Ausbildung

    Der Begriff „der Azubi, die Azubis“ ist eine in Deutschland übliche Abkürzung für „der Auszubildende, die Auszubildenden“. Gemeint ist ein Jugendlicher / eine Jugendliche, die sich in der Berufsausbildung befindet. Die Bezeichnung „Lehrling“ gilt als veraltet.