Wörterbuch

Hier finden Sie Schlüsselwörter, die aktuelle Entwicklungen und Ereignisse aufgreifen. Sie ergänzen die "Landeskunde Deutschland 2018", die dadurch immer auf dem letzten Stand bleibt (mit Seitenverweis). Die Wörter betreffen Kultur, Politik und Wirtschaft und sind mit der Zeit zu einem kleinen Wörterbuch geworden. Sie erfassen auch neuere Entwicklungen des Sprachgebrauchs, u.a. Modewörter und Wendungen.

A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z
  • partizipativ
  • = beteiligt, Beteiligung/Mitsprache zulassend. Das Verb heißt "partizipieren ". Nomen: die Partizipation. Beispiel: Eine partizipative Arbeitsgestaltung lässt Mitsprache an der Gestaltung der eigenen Tätigkeit zu.

  • Patchwork-Familie
  • Durch Scheidung und Zweitehen entstehen sogenannte Patchwork-Familien. Das sind Familien, in denen Kinder unterschiedlicher Herkunft leben, meist mit unterschiedlichen Nachnamen.

  • Pegida
  • Zu Seite 19: Deutsche und Ausländer

    ist die Abkürzung für eine Bewegung, der sich „Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ nennt. Seit Oktober 2014 organisieren ihre Vertreter in Dresden wöchentliche Demonstrationen gegen Überfremdung und eine aus ihrer Sicht verfehlte Einwanderungs- und Asylpolitik, die sich auch auf andere Städte ausgeweitet haben. Teilnehmer sind auch Aktivisten rechtsextremer Parteien und islamfeindlicher Bewegungen. Die Übergänge zu der rechtspopulistischen neuen Partei AfD (= Alternative für Deutschland) sind fließend.

    Ein Teil der Organisatoren und Teilnehmer sehen sich selbst nicht als Rechtsextremisten; sie bestehen auf kulturelle Homogenität und traditionelle Werte. Ihre Ansichten jedoch sind rechtsextrem, d.h. antidemokratisch und abwertend gegenüber bestimmten Minderheiten. Sie lehnen die Medien und den Dialog mit der Politik ab.

    Gleichzeitig hat sich eine starke Gegenbewegung gebildet, die die Werte einer offenen Zivilgesellschaft vertritt und Zuwanderung und die Vorteile einer Einwanderungsgesellschaft mit Nachdruck gutheißt. Auch hat sich die Bundesregierung deutlich für die Aufnahme von Flüchtlingen, für Toleranz und die humanitäre Pflicht zu helfen ausgesprochen.

    Politikwissenschaftler versuchen, die Beweggründe der Pegida-Anhänger zu analysieren. Die Politikwissenschaftlerin Gesine Schwan äußerte sich zu der Frage, wieso auch Menschen aus der Mitte der Gesellschaft gegen eine in der Realität nicht drohende Islamisierung protestieren. Sie verweist auf die Erforschung von Vorurteilen. Die Ursachen für Ressentiments und aggressive Vorurteile läge bei denen selbst, die sie äußern. Das sind u.a. die Verlierer der ökonomischen Entwicklung und die von sozialen Abstiegsängsten Geplagten. Ihre Ängste wenden sich gegen Minderheiten, die sie für gefährlich halten.

  • Piraten
  • zu Seite 87: Die Parteien

    Die Piraten-Partei, die für mehr Transparenz in der Politik und für Freiheit im Netz eingetreten war, hat einen rasanten Absturz hingelegt, nachdem sie 2011/2012 erstaunliche Prozentzahlen über 5% hingelegt hatte und in einige Landtage eingezogen war.

    Die vor allem jugendlichen Wähler haben sich schnell abgewandt, als sich die Partei in internen, zum Teil skurrilen Streitigkeiten verlor und kein überzeugendes Wahlprogramm zustande kam. Die Piraten sind vor allem an ihrer unglaublich komplexen Entscheidungsstruktur gescheitert .

  • Pisa
  • Weltweit größter Schulleistungstest der OECD (= Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) in den Fächern Naturwissenschaften, Mathematik sowie Lesen und Textverständnis. Im Jahr 2000 wurde der erste Test durchgeführt, 2003 der zweite und 2008 der dritte. Es stellte sich bald heraus, dass zwischen den einzelnen Bundesländern ein großes Gefälle herrscht: Sachsen, Bayern und Baden-Württemberg liegen an der Spitze, Bremen ist Schlusslicht.

    Insgesamt haben die Tests im internationalen Vergleich eine Verbesserung der Schulleistungen gebracht. Nach wie vor problematisch ist der Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und der Chance, ein Gymnasium zu besuchen. Chancengleichheit ist nicht immer gewährleistet.

    Trotz der Erfolge gibt es kritische Stimmen gegenüber der Erhebung: "Wir dürfen nicht nur auf die Leistungsparameter von Pisa schauen, sondern müssen ein umfassenderes Bildungsverständnis entwickeln, das die sozialen Kompetenzen und die musisch-ästhetischen Fähigkeiten stärker einbezieht. " (Helmut Rau, Kultusminister von Baden-Württemberg)

  • Platt
  • Platt oder Plattdeutsch ist die umgangssprachliche Bezeichnung für Niederdeutsch, das in großen Teilen Niedersachsens gesprochen wird. Oft steht zur Unterscheidung von Dialektvarianten die Ortsbezeichnung davor: z.B. Oldenburger Platt oder Ostfriesisches Platt.

    Ostfriesische Bürgerinitiativen sind an die niedersächsische Landesregierung herangetreten und fordern die Berücksichtigung des Platt in bestimmten Schulfächern neben dem Englischen und anderen Fremdsprachen. Welchen Stellenwert dann das Hochdeutsche haben soll, ist nicht so klar zu erkennen.

    Hochdeutsch war ursprünglich eine geographische Bezeichnung für Dialekte südlich der Mittelgebirge (Benrather Linie). Es wurde zur überregionalen Standardsprache und setzte sich im 18. und 19. Jahrhundert auch im niederdeutschen Bereich als Verkehrssprache durch.

  • Pleite
  • die Pleite, die Pleiten = der Konkurs (Zahlungsunfähigkeit einer Firma).

    pleite sein: Die Firma ist pleite (= zahlungsunfähig).
    Ich bin pleite. (= Ich habe kein Geld mehr.)
    pleite machen: Er war erfolglos. Seine Firma hat schnell pleite gemacht.
    pleite gehen: Die Firma ist pleite gegangen. (= Sie existiert nicht mehr.)

    Redewendungen:
    So eine Pleite! (= So ein Pech!)
    Der Pleitegeier schwebt über dem Unternehmen. (= Das Unternehmen hat finanzielle Schwierigkeiten.)
    Das ist aber eine schöne Pleite! (= Das ging aber daneben. Das war nichts. Das war ein Misserfolg.)

  • posten
  • er/sie postet, postete, hat gepostet. Umgangssprachich gebraucht. Bedeutung: eine elektronische Nachricht senden.

  • postfaktisch
  • Das Wort "postfaktisch" ist von der Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) zum Wort des Jahres 2016 gewählt worden. Es spiegelt die politischen Debatten und Entscheidungen und damit eine besorgniserregende Entwicklung. Dieses Kunstwort besagt, dass die politische und gesellschaftliche Öffentlichkeit zunehmend von Emotionen geleitet wird, nicht von Fakten. Teile der Bevölkerung würden Tatsachen ignorieren und sich von "gefühlten Wahrheiten" leiten lassen. Diese würden offensichtlich im "postfaktischen Zeitalter" zum Erfolg führen.

  • Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung
  • Das Institut untersucht wissenschaftlich und gesellschaftlich relevante Fragen in den Bereichen Erdsystemanalyse, Klimaveränderungen und Nachhaltige Lösungsstrategien. Natur- und Sozialwissenschaftler arbeiten eng zusammen, um interdisziplinäre Einsichten zu gewinnen, die dann der Wirtschaft, Politik und Gesellschaft zur Verfügung stehen. Das Institut wird vom Bund, dem Land Brandenburg und aus Drittmitteln finanziert.

    Aktuelles:

    • Feder führend beteiligt an der Roadmap der UN zur Verminderung der Risiken des Klimawandels,
    • Nachweis eines Zusammenhangs zwischen globaler Temperaturveränderung und der Erhöhung des Meeresspiegels,
    • 2006: Potsdamer Klimakonferenz,
    • PIK-Direktor wird Klimaberater der Bundesregierung (Dezember 2006),
    • Eröffnung eines Studiengangs zum globalen Wandel im Dezember 2006, Angebot des PIK von Lehrveranstaltungen und Praktika.
  • Prekariat
  • Das Prekariat ist ein Begriff der Soziologie und leitet sich aus "prekär " (misslich, schwierig) und "Proletariat " her. Der Begriff wurde 2006 von der Gesellschaft für deutsche Sprache auf Platz 5 der "Wörter des Jahres " gesetzt. Gemeint sind vor allem ungeschützte, flexibilisierte Arbeitsverhältnisse, zu denen Zeitarbeiter, Minijobber, Ein-Euro-Jobber oder Hartz IV-Bezieher gehören, sowie Arbeitslosigkeit und Überschuldung. Die synonyme Bezeichnung "Neue Unterschicht " ist ein klassentheoretischer Begriff, dessen genauere Definition noch aussteht. Gegenwärtig in der Diskussion sind "neue Armut ", eine neue Klassengesellschaft bzw. die zunehmende Spaltung der Gesellschaft in Arm und Reich.

  • Privilegierte Partnerschaft
  • Es geht um die Aufnahme der Türkei in die Europäische Gemeinschaft. Die Gespräche haben im Oktober 2005 begonnen. Die Türkei hat sich selbst einen Zeitraum von 10-15 Jahren gesetzt, um die Voraussetzungen für einen Beitritt zu erfüllen.
    Statt einer möglichen Vollmitgliedschaft wurde von CDU/CSU die sogenannte privilegierte Partnerschaft vorgeschlagen. Die Türkei hat dagegen heftig ablehnend reagiert.

  • Projekt DESERTEC
  • Zu Seite 152: Neue Technologien

    Die Erwartungen waren ehrgeizig: DESERTEC, das Wüstenstrom-Projekt, sollte bis 2050 Sonnenstrom für Nordafrika und den Nahen Osten liefern und 15% des Verbrauchs in Europa abdecken. Bosch und Siemens sind inzwischen ausgestiegen, weitere könnten folgen, wenn Ende des Jahres 2014 die Kooperationsverträge von 20 internationalen Großkonzernen der Energie-, Technologie- und Finanzbranche mit der Desertec-Planungsgesellschaft Dii (= Desertec Industrial Initiative) auslaufen.

    Was ist aus der großen Vision geworden? Ein „Aus“ wird es zwar nicht geben, aber der Einfluss deutscher Unternehmen wird mit weiteren Austritten schwinden. Der Grund für diese Entwicklung ist der Boom grünen Stroms in Europa; die Energiewende in Deutschland hat die Begeisterung ausgebremst. Weiterhin Interesse an Solarkraftwerken für den eigenen Bedarf haben der Nahe Osten und Asien; ein chinesischer Energiekonzern ist bereits eingestiegen.

  • Pulse of Europa
  • Zu Seite 157

    Nach dem Brexit (= Austritt Großbritanniens aus der EU), der Trump-Wahl und dem Auftreten rechtspopulistischer und nationalistischer Bewegungen ist eine zivilgesellschaftliche Initiative entstanden, die engagiert für den Erhalt der Europäischen Union und gegen Nationalismus eintritt. Entstanden ist diese Bürgerinitiative 2016 aus einer Idee der Frankfurter Rechtsanwälte Daniel und Sabine Röder, die vor den Wahlen 2017 in den Niederlanden, Frankreich und Deutschland ein Zeichen für die Zukunft Europas aktiv setzen wollten. Es geht den Initiatoren um die Bewahrung des Bündnisses zur Sicherung des Friedens und zur Gewährleistung von individueller Freiheit, Gerechtigkeit und Rechtssicherheit. Der Entschluss wird gestützt von der Überzeugung, dass die Mehrzahl der Menschen an die Grundidee der Europäischen Union und ihre Reformierbarkeit glaubt. Die erste Kundgebung fand im November 2016 in Frankfurt statt. Ende März 2017 waren es bereits 60 Städte in inzwischen elf EU-Mitgliedstaaten, die sich anschlossen. Die Kundgebungen finden europaweit jeden Sonntag um 14 Uhr statt; sie werden von Tausenden begeistert unterstützt. Die Initiative versteht sich als werteorientiert, weltoffen und nicht parteipolitisch. Ihre Ziele sind in zehn Grundthesen zusammengefasst: 1. Europa darf nicht scheitern, 2. Der Friede steht auf dem Spiel, 3. Wir sind verantwortlich, 4. Aufstehen und wählen gehen, 5. Grundrechte und Rechtsstaatlichkeit sind unantastbar, 6. Die europäischen Grundfreiheiten sind nicht verhandelbar, 8. Reformen sind notwendig, 9. Misstrauen ernst nehmen, 10. Vielfalt und Gemeinsames. Europa-Aktivisten mahnen bereits an, dass nach den Wahlen in Frankreich im April konkretere Ziele avisiert werden müssten, um der europäischen Sache weiterzuhelfen.